Der Innenraum

Der Altarraum der evangelischen Kirche

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Taufstein, Altar und Kanzel bilden im Altarraum eine unauflösliche Einheit. Die drei Sakralgegenstände spiegeln die Dreifaltigkeit Gottes, die uns in der Wirkung des heiligen Geistes bei der Taufe, in der zeichenhaften Vergebungdes Vaters im Abendmahl und in der heilbringenden Verkündigung der Botschaft des Sohnes Jesus Christus durch die Schriftlesung und die Predigt offenbar wird.

Der Altar mit seinen reichen holzgeschnitzten Verzierungen stellt neben dem Altarfenster die größte Kunsthistorische Besonderheit der Kirche dar. Sowohl die Form, die dem Liturgen bzw. der Liturgin einen erhöhten Platz zwischen den beiden vorgezogenen Brüstungen rechts und links zuweist, als auch die Darstellung des Gotteslammes auf der Frontseite des Altars sind einzigartig.

Übrigens:
Die ersten Altar- und Kanzeldecken stammten von ihrer Hoheit, der Großherzogin Luise von Baden, Prinzessin von Preußen. Sie wurden in der Kunststickerei des Badischen Frauenvereins gefertigt.

Die Kanzel der Kirche enthält ähnliche Seitenstreben, wie die Außenfasade. Auch hier erinnern Merkmale einer mittelalterlichen Stadt an das himmlische Jerusalem, das der Seher Johannes vom Himmel auf die Erde herab schweben sieht. Der Kranz unterhalb der Standfläche des Predigers besteht aus vielen kleinen Fensterbögen, die nach unten offen sind. Diese Verzierungen und die relativ schmale tragende Säule lassen die Kanzel grazil und leicht erscheinen. Der steinerne Sockel der Mittelsäule ist zunächst viereckig und geht dann in eine achteckige Form über. Auch hier ist die Säule das Symbol für die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Von der erhöhten Stelle der Kanzel aus soll das Wort von der Auferstehung und dem ewigen Leben hinunter zu den Zuhörern gelangen. Die Kanzel
Der Taufstein ist aus massivem Buntsandstein gefertigt. Er hat eine achteckige Grundform. Sein Aussehen erinnert an einen Kelch. Damit wird die enge theologische Verbindung der beiden Sakramente Taufe und Abendmahl zum Ausdruck gebracht. Beide geben Anteil an Gottes Vergebung und eröffnen die Teilhabe an Gottes ewigem Reich.

Der Taufstein selbst ernthält keine Vertiefung. Das Taufwasser wird mit einer silbernen Kanne in eine Taufschale gegossen.

Übrigens:
Die Acht als symbolische Zahl der Auferstehung ist im Kirchenraum in Tennenbronn immer wieder zu finden. Die Blume der Pfingstrosette am Westflügel trägt acht Blütenblätter. Auch die Engel im Rundfenster des Altarraums sind jeweils von acht Sternen, Lilien und strahlen umgeben. Die Kanzel ist ebenfall achtseitig und an der Außenfassade fällt der im Achteck spitz zulaufende Kirchturm in Auge.

Betritt man das Innere der Kirche, verliert das Gebäude schlagartig den Eindruck der Schwere und Wuchtigkeit. Über Kirchenschiff und Empore wölbt sich eine spitz zulaufende holzgetäfelte Decke, abgestützt durch Säulen und Rundbögen. Der Altarraum wird mit einem scheinbar schwerelosen Gewölbe überspannt. In der Mitte befindet sich in der Vierung der eisernen Streben eine aus Messing gefertigte Krone. Sie ist mit blumen und Früchten verziert, die als Sinnbilder der Ernte dienen.

Der ursprüngliche Altarraum der evangelischen Kirche

Das ursprüngliche Aussehen des Altarraumes

Entlang der Mauer des Altarraums verlief ursprünglich eine Bank mit Brüstung, in der die Ältesten der Kirchengemeinde und die politischen Gemeinderäte samt Bürgermeister während des Gottesdienstes Platz nahmen. Bisweilen gab es Rangstreitigkeiten darüber, wem der Ehrenplatz am rechten Bankende am ehesten zustehe: dem Bürgermeister von Evangelisch Tennenbronn Christian Weisser („d’ Ichbexander“) oder dem Vorsitzenden des Kirchengemeinderats. Um ein ganzes Ochsengespann wetteten die beiden Kontrahenten, dass ihnen jeweils das Vorrecht zugesprochen werde. Den Rechtsstreit gewann der kirchliche Würdenträger. So hatte der Bürgermeister neben der Demütigung auch den Verlust eines Ochsengespanns hinzunehmen. Bei Renovierungsmaßnahmen nach dem 2. Weltkrieg wurde die Ältestenbank entfernt. Der Kirchengemeinderat hat seit dieser Zeit seinen Platz in der ersten Bank des Seitenschiffs.

Während der beiden Weltkriege wurde der gefallenen Soldaten aus der Kirchengemeinde durch hölzerne Namenstäfelchen gedacht, die im Altarraum auf die Nachricht ihres Todes hin angebracht wurden. Seit dem jeweiligen Ende der Kampfhandlungen wird der Verstorbenen auf gemeinsamen Tafeln an der rechten Seitenwand gedacht.

Das älteste erhaltene Foto vom Altarraum zeigt, dass die Wände ursprünglich farblich gestaltet waren. Aufgemaltes Mauerwerk, abgeschlossen durch einen Sockelfries in Brusthöhe zierten alle drei Seiten hinter dem Altar. Rechts und links von der Weihnachtsdarstellung im Chorfenster befanden sich zusätzlich drei Spruchbänder. Über dem Taufstein stand:

Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden (MK16,16)

Über der Tür zur Sakristei stand zu lesen::

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubet, den wird nimmermehr dürsten.

Ursprünglich hing unter der Krone ein aufwendig verzierter Kronleuchter, auf dem bei Abendveranstaltungen und im Winter sechs Petroleumlampen für die nötige Helligkeit sorgten. Mit einer Winde, die sich auf dem Dachboden befindet, konnte der Leuchter herab gesenkt werden, um die Lampen zu entzünden. Noch heute dient diese Seilwinde, um daran den Adventskranz aufzuhängen. Mit dem Siegeszug der Elektrizität hatten die Petroleumlampen ausgedient und der ganze Leuchter wurde entfernt.

Texte: Bernhard Wielandt

Bilder: Martin Grießhaber

Weiter Informationen finden Sie in der Jubiläumsschrift der evangelischen Kirchengemeinde
"100 Jahre evangelische Kirche Tennenbronn".

Datei: innenraum.htm; zuletzt geändert am 30. 10. 2007