Orgelmusik zum Jahresende

Heimspiel an der Orgel
Der Organist Hans Grießhaber kehrte für ein Konzert in seine frühere Heimat zurück

An Allerheiligen spielte Hans Grießhaber Kompositionen aus Alt-Baden, Präludien und Choräle an der Orgel in der Evangelischen Kirche. Als Sohn des ehemaligen Tennenbronner Organisten Johann Georg Grießhaber trat er am Instrument die Nachfolge seines Vaters an. Sein Wirken als Organist erstreckt sich auf Tennenbronn, Heidelberg, Konstanz und dessen Umgebung. Als Kirchenmusiker wirkte Hans Grießhaber seit 1960 in Konstanz, entschied sich dann beruflich für die Architektenlaufbahn. Heute genießt er seinen verdienten Ruhestand in Konstanz, jedoch nicht ohne sein geliebtes Orgelspiel zu vernachlässigen.

Der Auftritt des bescheiden wirkenden Organisten an der Tennenbronner Orgel war eigentlich ein Heimspiel. Zu verdanken war dieser Auftritt Ulrich und Martin Grießhaber, die ihn mit Posaune und Akkordeon begleiteten. Mit "Präludium und Fuge in f-Moll" setzte Hans Grießhaber gleich zu Beginn Maßstäbe. Seine klar und deutlich umrissene Gliederung und Auffassung der Bachschen Spielweise, ließen zeitweise eine gewisse Strenge aufkommen.

Mit gekonntem Einsatz der Register ging ein musikalisches Erlebnis einher. Wie ein Signal wirkte die Posaune beim "Wachet auf, ruft uns die Stimme" aus Bachs Feder. Harmonisch eingefügt in das facettenreiche Spiel der Orgel präsentierte sich die Posaune im gemeinsamen Spiel. "Was Gott tut, das ist wohlgetan", war eines der Stücke bei dem fast die gesamte Bandbreite der Registermöglichkeiten der Orgel aufgezeigt wurden.

Der Führung der Melodie, durch betontes Spiel verstärkt, wurde durch effektvoll gesetzte Registerwechsel zu einer lebhaften Wiedergabe der Johann Peter Kellner Komposition. Wie wohl sich die Posaune bei entsprechender Auswahl der Literatur zum gemeinsamen Spiel mit der Orgel eignet, zeigte sich mit "O Ewigkeit, du Donnerwort" von Johann Ludwig Krebs. Mit angehobener Lautstärke unterstrich Hans Grießhaber die Bedeutung der Komposition, in der die Posaune Teile der Melodieführung übernahm. Ebenfalls von Krebs stammte das "Präludium D-Dur". Dessen fröhlich wirkende Tonläufe wurden vom Publikum andächtig aufgenommen. Häufige Registerwechsel wirkten wohltuend und ein anhaltender Schlussakkord kündigte vom zu frühen Ende des Stückes.

Vom ehemaligen Karlsruher Hoforganisten A. Barner stammte "Jerusalem, du Hochgebaute". Stolz und Würde der beschriebenen Stadt wurden deutlich mit der Orgel hervorgehoben. Auf das besinnlichem Spiel bei "Jesus, meine Zuversicht" von Philipp Wolfrum, folgte aus der Feder von Hermann Poppen "Schmücke dich, o liebe Seele". Als ob es gilt, mit seinem Lehrmeister gleichzuziehen entwickelte Hans Grießhaber sein Spiel zur meisterlichen Aufführung.

Aus dem "Innersten der Orgel" kamen die tiefen Töne - wie angehaucht im wirkungsvollen non Legato. Abwechslungsreich die Modulation mit schwingenden Flötentönen, darüber die Melodie. Grießhaber war daheim an der Orgel aus seiner Jugendzeit. Er setzte einen wirkungsvollen Maßstab, zu welcher Klangfülle das ehrwürdige Instrument geführt werden kann.

Südkurier, Werner Müller

Das Programm zum Orgelkonzert finden Sie
hier:
An der Orgel aus seiner Jugendzeit konzertierte Hans Grießhaber zu Allerheiligen. Bild: Müller
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Datei: orgelkonzert.htm; zuletzt geändert am 30. 10. 2007